Markus Siegrist
Sprünglistrasse 1
3006 Bern


 
 
 

Tränengas I Schlacht vor dem Bundeshaus

Wir schreiben den 23. Oktober 1996. Auf dem Bundesplatz in Bern demons­trie­ren rund 15'000 Bauern gegen die Frei­handels­verträge. Sie wollen auf ihre miss­liche Lage auf­merk­sam machen: 30 Prozent Ein­kom­mens­verlust und zwei Mil­liar­den Fran­ken weniger Erlös für ihre Produkte.

Der Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes betont an der Presse­kon­fe­renz, dass sie eine Demons­tra­tion «in Würde und Respekt» ab­halten wollen. Die Situation der Bauern sei sehr ernst und viele von ihnen seien am Rande der Hoff­nungs­lo­sig­keit angelangt.

Unter den Demonstranten sieht man viele junge Leute, aber auch alte knorrige Bart­männer fehlen nicht. Es ist ein Anlass mit viel Folklore: Treichler­gruppen mit ihren Kuh­glocken und «Geissle­chlöpfer» mit ihren Peitschen machen Stimmung. Die Trans­parente der Demons­trie­renden aber kon­tras­tieren das Bild, äussern sie doch mehr­heit­lich geball­ten Hass.

Die Massenkundgebung verläuft friedlich. Doch plötzlich demon­tieren einige Demons­tran­ten die Ab­schran­kun­gen und werfen brennende Gegen­stände gegen die Fas­sade des Bun­des­hauses. Äpfel, Steine, Kar­tof­feln, Fla­schen und Mehl­säcke fliegen Rich­tung Polizei. Die Situa­tion eska­liert. Die Ge­setzes­hüter ant­wor­ten mit Wasser­werfern und Tränen­gas. Das Katz-und-Maus-Spiel beginnt.

Immer mehr Tränengaspertarden fliegen im hohen Bogen in die Menge. Auch Gummi­geschosse feuert die Polizei ab.

Es kommt zu einer mehrstündigen Auseinandersetzung zwischen Polizei und mili­tan­ten Kund­gebungs­teil­nehmern.

Das Tränengas vernebelt den Bundesplatz und die umliegenden Gassen. Es herrscht Aus­nahme­zu­stand und ein nacktes Chaos.

Schlimmer als das tränengasbedingte Brennen der Nase und der Augen ist für mich die Er­sti­ckungs­angst wegen Atem­not. So be­eile ich mich, der rauch­ge­schwän­ger­ten ‹Tränen­gas­luft› zu ent­kommen.

Die extremen Bedingungen haben mich gezwungen, das Fotografieren nach kurzer Zeit einzustellen, war ich doch nicht ausgerüstet. Denn bei diesen Bedingungen wäre eine Atem­schutz­maske er­for­der­lich gewesen (siehe erstes Bild oben rechts).

Als sich die Lage beruhigt, die Gasnebel sich verflüch­ti­gen und die Demons­tran­ten lang­sam ab­ziehen, ist das Aus­mass der Aus­schrei­tungen er­sicht­lich. Stunden­langes Auf­räu­men und Säubern des ‹Schlacht­feldes› sind angesagt...

      traenengas_01
Zum Fotografieren wäre eine Schutz-
maske von Vorteil gewesen...


traenengas_02

traenengas_03

traenengas_04

traenengas_05

traenengas_06

traenengas_07     traenengas_08     traenengas_09     traenengas_10     traenengas_11     traenengas_12